Nicht nur Begeisterung für die Vorschläge von Özdemir

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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemirs Einlenken bei Stilllegung und Fruchtwechsel ist erwartungsgemäß durchwachsen aufgenommen worden. Während Greenpeace Özdemir vorwarf, mit der Freigabe von Bracheflächen zum Brotgetreideanbau dem Druck der "Agrarlobby" nachgegeben zu haben, begrüßte der Deutsche Bauernverband die Entscheidung des Ministers.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemirs Einlenken bei Stilllegung und Fruchtwechsel ist erwartungsgemäß durchwachsen aufgenommen worden. Während Greenpeace Özdemir vorwarf, mit der Freigabe von Bracheflächen zum Brotgetreideanbau dem Druck der "Agrarlobby" nachgegeben zu haben, begrüßte der Deutsche Bauernverband die Entscheidung des Ministers. Diese war nach den Worten von DBV-Präsident Joachim Rukwied "überfällig und kommt in letzter Minute". Er wies darauf hin, dass die Bauern bereits mit der Anbauplanung für das kommende Jahr begonnen haben und Planungssicherheit brauchen. Eine Aussetzung für nur ein Jahr hält Rukwied deshalb für "sicherlich nicht ausreichend". Um weiterhin eine sichere Lebensmittelversorgung gewährleisten und in Krisenzeiten reagieren zu können, müssten die Landwirte alle Flächen nutzen können, auf denen es landwirtschaftlich sinnvoll sei. "Die Bundesländer müssen dies jetzt zügig bestätigen", forderte der DBV-Präsident.

Der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Matthias Lambrecht monierte hingegen, dass die ohnehin viel zu geringen Flächen zum Schutz der Artenvielfalt in der Landwirtschaft wirtschaftlichen Interessen geopfert werden sollen. Nach seiner Auffassung ist die Ernährungssicherung in Kriegszeiten nur ein Vorwand, um wertvolle Biotope unterzupflügen. Dort angebauter Weizen stünde erst im nächsten Jahr und in nicht ausreichender Menge zur Verfügung, um der akuten globalen Hungerkrise wirkungsvoll zu begegnen. Sinnvoller wäre Lambrecht zufolge ein konsequenter Ausstieg aus Biosprit.

Özdemir hatte den Ländern am Wochenende vorgeschlagen, die erstmalige verpflichtende Flächenstilllegung von 4,0 % der Ackerfläche in Artenvielfaltsflächen im kommenden Jahr auszusetzen. Stattdessen soll weiterhin ein landwirtschaftlicher Anbau möglich sein, allerdings nur von Getreide, Sonnenblumen und Hülsenfrüchten. Ausgeschlossen bleiben sollen Mais und Soja. Zudem soll die Regelung nur für die Flächen gelten, die nicht bereits 2021 und 2022 als brachliegendes Ackerland ausgewiesen waren.

Der Bundesminister geht unter diesen Voraussetzungen davon aus, dass damit etwa 100 000 ha bis 180 000 ha Acker weiterhin für die Getreideproduktion zur Verfügung stehen. Damit können etwa 600 000 t bis 1,0 Mio t Getreide zusätzlich produziert werden. Zugleich würden die bestehenden Artenvielfaltsflächen so weiterhin geschützt und könnten ihre Leistung für Natur- und Artenschutz sowie eine nachhaltige Landwirtschaft erbringen.

Auch die Regelung zum Fruchtwechsel auf Ackerland soll laut Özdemir einmalig im Jahr 2023 ausgesetzt werden. Damit könnten Landwirte in Deutschland auch im Jahr 2023 Weizen nach Weizen anbauen. In den Vorjahren war dies auf etwa 380 000 ha der Fall gewesen. Dies würde die Erzeugung von bis zu 3,4 Mio t mehr Weizen ermöglichen. AgE

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