Russland wird großer Nettoexporteur von Schweinefleisch

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Russland hat sich in relativ kurzer Zeit von einem global bedeutenden Importeur zum Exporteur von Schweinefleisch gewandelt. Vor acht Jahren hat das Land noch mehr als 1,1 Mio t Schweinefleisch eingeführt und war weltweit der zweitgrößte Importeur dieses Produkts; mittlerweile sind die Einfuhren jedoch fast bedeutungslos geworden.

Russland hat sich in relativ kurzer Zeit von einem global bedeutenden Importeur zum Exporteur von Schweinefleisch gewandelt. Vor acht Jahren hat das Land noch mehr als 1,1 Mio t Schweinefleisch eingeführt und war weltweit der zweitgrößte Importeur dieses Produkts; mittlerweile sind die Einfuhren jedoch fast bedeutungslos geworden. Dagegen haben die Ausfuhren dermaßen an Fahrt aufgenommen, dass Russland in diesem Jahr zum siebtgrößten Exporteur der Welt aufsteigen dürfte.
Wie aus Außenhandelsdaten des dänischen Dachverbandes der Agrar- und Ernährungswirtschaft (L&F) hervorgeht, importierte Russland in den ersten drei Quartalen 2020 nur noch knapp 8 300 t Schweinefleisch einschließlich Speck und Nebenerzeugnissen; das waren 68 500 t oder fast 90 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Der bis dato größte Lieferant Brasilien hat seine Ausfuhren nach veterinärrechtlichen Unstimmigkeiten bis auf 422 t fast vollständig eingestellt und verkauft offenbar bevorzugt nach China. Damit wurde Chile zum wichtigsten Drittlandsanbieter in Russland; die von dort gelieferten 3 700 t Schweinefleisch - zu großen Teilen aus Speck und Nebenerzeugnissen bestehend - blieben jedoch um mehr als 80 % unter dem Vorjahresniveau. Wenige Restmengen wurden außerdem noch von Argentinien, Paraguay, Weißrussland und Kasachstan nach Russland verkauft.

Die russische Importsubstitutionspolitik und der mit staatlichen Mitteln unterstützte Ausbau der eigenen Schweineproduktion hat auf der anderen Seite dazu geführt, dass Schweinefleisch vermehrt ins Ausland verkauft wird. Von Januar bis September 2020 beliefen sich die Ausfuhren laut L&F auf 138 000 t; damit hat sich die Exportmenge gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode fast verdoppelt. Zum wichtigsten Kunden aufgestiegen ist Vietnam mit einer Bezugsmenge von 41 800 t. Die Lieferungen dorthin haben sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum vervierfacht, wobei sicherlich der höhere Einfuhrbedarf in Vietnam nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) beitrug.

Zweitwichtigster Absatzmarkt für russische Anbieter war Hongkong mit einer Steigerung der Verkäufe um 88 % auf 36 150 t. In die ehemalige Kronkolonie werden vor allem Schlachtnebenerzeugnisse vom Schwein geliefert. Auf dem dritten Platz der Exportdestinationen rangierte ungeachtet der außenpolitischen Spannungen die Ukraine mit 29 600 t; das war fast die Hälfte mehr als in den ersten drei Quartalen 2019. Zudem nahmen die Lieferungen nach Weißrussland um 36 % auf 19 000 t zu.

Die neuen Absatzmärkte für russisches Schweinefleisch gehören auch zu den wichtigen Destinationen von Anbietern aus der Europäischen Union, die sich nun auf eine größere Konkurrenz aus Russland einstellen müssen. Dies gilt umso mehr, als sich Moskau um Exportmöglichkeiten nach China bemüht, denen bisher aber vor allem die Probleme mit der ASP im Wege standen. AgE

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